»Die Fußball-WM ist gerade vorbei und mit Jürgen Klopp als Bundestrainer beginnt ein neues Kapitel für den deutschen Fußball. Umso mehr freue ich mich, heute mit Moritz Leitner zu sprechen, ehemaliger Bundesligaprofi, Deutscher Meister und ein Spieler, der auch mit Jürgen Klopp als Trainer den Fußball auf höchstem Niveau erlebt hat. Wir sprechen über die Mentalität, die es braucht, um im Profisport zu bestehen, seinen mutigen Neustart in der Sportart Padel, und wie er sich mit einem Weltrekord einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde sichern möchte. Viel Spaß und Inspiration beim Zuhören!«
Silke Nowitzki: Nach der Fußball-WM gab es sehr viel öffentliche Kritik, die zum Teil überzogen war. Wie stehst du dazu?
Moritz Leitner: Fehler gehören einfach dazu, egal ob du Spieler bist, ob du Schiedsrichter bist, ob wir einen Podcast machen. Ich glaube, jeder macht Fehler, und es ist gut, über die Fehler zu sprechen. Es kommt immer darauf an, geht es rein um den Fehler oder will man etwas erzwingen. Im Sport kann man gefühlt jedes Spiel gut reden aber auch jedes Spiel schlecht reden. Vor allem mit den heutigen Statistiken. Du findest immer irgendwas Positives, selbst wenn du 5 zu 0 verloren hast. Und wenn du 5 zu 0 gewonnen hast, kannst du auch etwas herausheben, wo du sagst, das war Blödsinn.
Klar hatten wir Deutschen uns was anderes erhofft und klar ist es der Anspruch der deutschen Nationalmannschaft, es gegen solche Mannschaften, gegen die wir ausgeschieden sind, souverän herunterzuspielen. Da ist dann die Frage: Woran liegt’s? Dass unsere Qualität eigentlich besser ist, müsste außer Frage stehen. Dann muss es ja intern irgendwas sein, ob das die Einstellung ist, ob das die Leidenschaft ist, auf dem Platz wirklich alles zu geben. Dafür gibt es Verantwortliche. Aber Kritik, die darüber hinaus geht, finde ich nicht cool. Sportler sind Sportler, aber Sportler sind auch Menschen.
Ich hoffe, dass wir es hinkriegen zu sagen: Ich freue mich für jemanden, ich gönne jemandem etwas. Wir haben jetzt einen richtig geilen Coach für die Nationalmannschaft. Wenn einer dieses Leben von Motivation, von Herz, von Leidenschaft, von Ehrlichkeit hinbekommt, ist das Kloppo. Man hat die ersten Sachen von ihm gesehen, und das ist einfach geil. Das ist das Coole: Er kann sich auch Fehler eingestehen, er kann über sich selber lachen, kann auch mal wirklich Schmarrn gebaut haben, aber er steht dazu, er weiß, ist passiert, hilft nichts. Aber wenn er Prinzipien hat und klipp und klar sagt, Dies und das ist so, das wird so gemacht.
Der Mann kommt in einen Raum, der füllt den Raum, der erzählt dir was und du hast Gänsehaut. Deshalb freue ich mich vor allem für Deutschland, für die Nationalmannschaft, ihn wieder mehr in Deutschland zu haben, in unserem Fußball, weil ich glaube, es gibt in dem Bereich keinen besseren.
Bei uns im 41Campus geht es ja im Kern darum, die Trainer:innen auch als Mentor:innen zu sehen. Wie war es bei dir, wie haben Trainer Einfluss auf dich genommen?
Im Profibereich muss Kloppo ja nicht Mats oder Lewy oder Mario zeigen, wie man einen Pass spielt oder wie man den Ball besser annimmt, da hat er selbst über sich gelacht. Wenn wir mal einen Stockfehler gehabt haben, hat er gesagt: Mo, jetzt weißt du, wie ich mich bei 99 von 100 Ballannahmen gefühlt habe. Ein Trainer hat, glaube ich, die Aufgabe, das Vorbild zu sein im Verein, und dass die Spieler wirklich das machen, was er braucht, und für ihn durchs Feuer gehen. Er steht nicht auf dem Platz, das sind immer noch die 11 bis 16 Spieler, und wenn die für ihn alles machen, sich, auf Deutsch gesagt, den Arsch aufreißen, mit einem Plan, an den alle glauben, den alle durchziehen, ist er zu 99 Prozent erfolgreich.
Und bei Kloppo war es wirklich so: Wenn er dir erzählt hat, du bist der schnellste Spieler der Welt, und du warst der langsamste Spieler der Welt, bist du auf den Platz gegangen und warst der schnellste Spieler der Welt. Er gibt dir ein Gefühl mit, dass du einfach frei bist, dass du einfach zocken willst. Er gibt dir eine Verantwortung, und du willst ihn nicht enttäuschen, sondern du willst ihn stolz machen. Egal wo er war, er war in jeder Station sehr, sehr erfolgreich, und er macht das auf eine menschliche Art und Weise, mit einer mentalen Struktur und mit Spaß, so dass man zum Trainingsgelände oder ins Trainingslager geht und einfach Bock hat. Man fühlt sich wie daheim und sagt, das ist meine Familie, Kloppo ist das Oberhaupt und wir müssen für ihn Vollgas geben, auch wenn’s ab und zu weh tut.
Was sind Werte oder Eigenschaften, die dir geholfen haben, es ganz nach oben zu schaffen?
Definitiv Ehrgeiz, und auch die Ehrlichkeit mit mir selber. Wenn ich scheiße gespielt habe, habe ich mir nicht eingeredet, dass ich gut war. Wenn ich mal auf die Schnauze gefallen bin: aufstehen und die Jetzt-erst-recht-Mentalität. Ich habe zwei Slogans, die ich immer dabei habe: An leichten Tagen kann’s jeder. Und: Immer einmal mehr aufstehen, als du auf die Schnauze gefallen bist.
Was würdest du den Hörer:innen gerne noch als Tipp mitgeben?
Das A und O ist machen, machen, machen. Spaß, Spaß, Spaß. Und einfach Ehrlichkeit. Zu sich selbst: Habe ich heute wirklich Vollgas gegeben, habe ich das umgesetzt, was man umsetzen sollte? Ehrgeiz, Leidenschaft. Wenn du die Sachen mit Leidenschaft machst, wenn du wirklich da bist und investierst, dann stehen dir alle Türen offen. Und wenn sich eine schließt, such die nächste und geh rein.
Moritz Leitner, Jahrgang 1992, wurde beim TSV 1860 München ausgebildet und feierte dort sein Bundesligadebüt. Später wurde er mit Borussia Dortmund Deutscher Meister. Weitere Stationen waren der VfB Stuttgart und Norwich City. Nach der Fußballkarriere ist er als Padelspieler durchgestartet und hat es inzwischen in die Top 80 der deutschen Padel-Rangliste geschafft.